Strandbad Müggelsee (Rahnsdorf), Berlin

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Strandbad Müggelsee (Rahnsdorf)
Die Geschichte vom Strandbad am Müggelsee Ein alter Bürger aus Friedrichshagen – er will namentlich nicht in der Zeitung stehen - hat einen Teil dieser Geschichte selbst erlebt. Er erinnert sich und hat dann noch weiter recherchiert. Wir denken, dass die Geschichte für alle interessant ist, die gerne zum Baden an den Müggelsee gehen. Und das sind jetzt ja immer mehr! An schönen Sommerwochenenden strömten früher schon mal 15000 Gäste an einem einzigen Tag in das damals noch viel kleinere Strandbad Müggelsee in Berlin-Rahnsdorf. Seit 1913 wurde dem lebhaften Wunsch der Berliner nach Sonne, frischer Luft und Wasser dort endlich ein organisierter Badebetrieb geboten. Der Drang zum gesamten Ausflugsgebiet um Müggelberge und –see war schon vorher sehr lebhaft. Zunächst zu einer „wilden Badestelle“, wie damalige Beobachter und auch Polizeiprotokolle indigniert vermerkten. Ab 1910 wechselten am Rahnsdorfer Ufer Männlein und Weiblein auch in getrennten Zeltkabinen des geschäftstüchtigen Schneidermeisters Karl Kuschfeld dezent ihre damals üblichen „genierlichen“ Ganzkörper-Badekostüme. Für 10 Pfennige pro Person. Kuschfeld soll auf Tageseinnahmen von gigantischen 25 Goldmark gekommen sein, vermutlich zunächst steuerfrei. Rahnsdorfer und Friedrichshagener Bürger bauten mittels einer GmbH 1912/13 eine ordentliche Anlage mit vier Umkleidepavillons und weiteren Einrichtungen für Spiel und Spaß unter freiem Himmel. Aber das war kein gewinnbringendes Geschäft. 1920 übernahm deshalb die Kommune das Bad auf der märkischen Sanddüne am „Müggelmeer“. Zeltler und Laubenpieper Die Popularität des Betriebs zog auch gesellige Zeltler und „Laubenpieper“ in Scharen aus der Großstadt in den Kiefernwald mit flachem Sandstrand, wo man sich vergnügen konnte, ohne viel Geld ausgeben zu müssen. „Negerdorf“ und „Paddendorf“ entstanden. Das Strandbad wurde schnell die erste Adresse für die Naherholung im Berliner Osten, mit der Vorort- und alsbald auch einer Straßenbahn bequem erreichbar. 1928 brannten die Holzbauten ab. Der sofort in Angriff genommene, schwungvoll gestaltete zweistöckige Neubau mit riesiger Terrasse (160 m lang, 4000 Plätze) und Wandelgang bot alle Einrichtungen, wie sie eine solche Anlage nach Erfahrungen der damaligen Zeit brauchte: Umkleidehäuser, Badeaufsicht, Duschen und Toiletten, Unfallhilfsstelle, Baderutsche, Bootsverleih, Lautsprecheranlage, Gastronomie, Kassen und Verwaltung nicht zu vergessen. Allerlei vergnüglicher Tamtam mit Strandfesten und Wettbewerben machten das Bad schnell berlinweit populär. Gründerlauben weichen der Freilichtbühne Krieg und Nachkriegszeit setzten auch dem Strandbad zu. Die Laubenanlage auf Pachtland war seit den zwanziger Jahren auf schließlich über 400 Bauten und Buden angewachsen. Dort hatten sich zuerst etliche der einstigen „Badepioniere“ der ersten Stunde niedergelassen. Die NS-Behörden mißtrauten ihnen und vermuteten dort bewaffnete linke Politzellen. In Dauerzeltlagern auch an anderen Ufern von Spree und Dahme flatterten häufig rote Fahnen, zunächst vorwiegend ohne Hakenkreuz. Mancher Arbeitslose und später Ausgebombte hatte in seiner Laube in den Notjahren eine behelfsmäßige Bleibe. 1951, nach Gründung der DDR, wurde das Bad anläßlich der „Weltjugendfestspiele“ nach Westen erheblich erweitert. Bei dieser Gelegenheit beseitigten die Behörden kurzerhand die ganze Laubenanlage neben dem Bad. An diesem Platz bauten dann die Veranstalter der „Weljugendfestspiele“ eine Freilichtbühne, die jedoch im Laufe der folgenden 55 Jahre nur wenige Veranstaltungen erlebte. Ein neues Bungalowdorf in Staatsbesitz kam hinzu, mit dem erfolglos versucht wurde, harte Devisen für die Staatskasse zu erwirtschaften. Heute gibt es dort ein wohl eher nur vor sich hindümpelndes „Jugenddorf“. Westlich des Strandbads hatten sich in diesen Jahren am frei zugänglichen Ufer ein unorganisierter Badebetrieb mit ausgedehntem FKK-Abschnitt etabliert. Nach anfänglicher Skepsis der Behörden wurde die Idee, Freunden des hüllenlosen Badens ein Teil des Strandbads anzubieten, verwirklicht. Erweiterungen 1978 In Rahmen einer erneuten Erweiterung wurde das Strandbad Müggelsee 1976-78 auf eine Gesamtfläche von nunmehr 121000 qm ausgedehnt. Um- und Erweiterungsbauten nahmen eine große Gaststätte, Sauna und Kegelbahn auf. Nebenan entstand wieder ein Bootsverleih, der sich später auch zu einer Basis für Windsurfer und Katamaran-Segler entwickelte. Die Tageskapazität wuchs auf 25000 Gäste, die aber wohl nie in Anspruch genommen wurde. Die Parkfläche für Kraftfahrzeuge wurde indessen nicht erweitert. Mit der Anlage neuer Tiefbrunnen der benachbarten Wasserwerke wurde die ganze Gegend Wasserschutzzone. Jeder Vorschlag, wie weitere, umweltverträgliche Stellflächen für die Kraftfahrzeuge der Besucher und Badegäste geschaffen werden könnten, wurde von den Behörden bisher rundweg abgelehnt. Soweit unser Zeitzeuge aus Friedrichshagen. Immer weniger Besucher und ein Neuanfang Trotz herrlicher Lage und immer besserer Wasserqualität ging nach der Wende die Zahl der Besucher mehr und mehr zurück. Als Gründe hierfür wurden die bürokratische Verwaltung des Strandbads bei immer höheren Eintrittspreisen, zunehmender Verfall der Einrichtungen, fehlende Parkplätze und Veränderung der Lebensgewohnheiten der Bevölkerung angesehen. Aber es ist ein Neuanfang gelungen: Nach Umfrage in der Rahnsdorfer Bevölkerung durch den Verein „Bürger für Rahnsdorf e.V.“ und beharrlichen Druck auf die Politiker wurde das Strandbad im Jahr 2006 aus dem Bestand der staatlichen Berliner Bäderbetriebe herausgenommen und steht als Sport- Spiel- und Erholungsfläche jetzt ganzjährig und kostenfrei den Bürgern zur Verfügung. Die Besucherzahlen steigen steil an! Ein Anfang ist also gemacht, denn die Gebäude sind marode, die Ufer und das Gelände teilweise sanierungsbedürftig und die zukünftige ganzjährige kostenneutrale Nutzung der großen Anlage ist noch ungeklärt. Aber beim Berliner Bezirk Treptow-Köpenick liegen eine aktuelle Landschaftsplanung vor und ein verbindliches Angebot der Stiftung Denkmalschutz Berlin auf denkmalgerechte Sanierung der historischen Gebäude. Grund zur Hoffnung, dass bald etwas geschieht.

Adress

Fürstenwalder Damm 838
12589 Berlin

Phone number

+49 30 6487711

Parking

Parking lot

Price

Strandbad Müggelsee (Rahnsdorf), Berlin updated